Stolperschwellen- verlegung in Wermsdorf

Eine Erinnerung, die bewegt

Am 7. Mai 2024 versammelte sich die Menschen aus Wermsdorf und Umgebung am Empfang des Fachkrankenhauses Hubertusburg zu einem bewegenden Ereignis: der Verlegung einer Stolperschwelle. Diese kleinen, aber bedeutungsvollen Gedenksteine erinnern uns an dunkle Kapitel der Geschichte, die wir niemals vergessen dürfen. Die Stolperschwelle wurde vor Ort verlegt, um an die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen zu erinnern, die in der ehemaligen Landesanstalt Hubertusburg ihr Leben verloren haben.

 

In einer Zeit, in der historische Bildung eine mahnende Rolle in unserem Leben spielen muss, ist es wichtig, dass wir uns aktiv mit unserer Vergangenheit auseinandersetzen. Die Stolpersteine sind mehr als nur Symbole, sie sind eine Verpflichtung, aus der Geschichte zu lernen und dafür zu sorgen, dass sich solche Gräueltaten nie wiederholen.

Ein Jahr lang haben sich Schülerinnen und Schüler des Thomas-Mann-Gymnasiums, organisiert durch den Erich-Zeigner-Haus e.V. mit Akten und Berichten über die Geschehnisse auf der Hubertusburg auseinandergesetzt und den Menschen, die dort in der Zeit des Nationalsozialismus ihr Leben verloren haben, Namen und Gesicht gegeben, um an sie zu erinnern. Darüber hinaus haben Sie Spenden gesammelt, um diese Stolperschwelle zu finanzieren. In bewegenden Reden betonten sie die Bedeutung von Aufklärung und Gedenken. Sie erinnerten uns daran, dass Geschichte nicht nur in Büchern steht, sondern lebendig ist und uns alle betrifft.

 

Die Verlegung der Stolperschwellen stieß jedoch auch auf Hindernisse, insbesondere im Zusammenhang mit dem Denkmalschutz und der Anbringung einer Informationstafel. Doch trotz dieser Herausforderungen herrscht Zuversicht, dass auch diese bald ihren Platz finden wird. Denn wer sich mit den Stolperschwellen beschäftigt, beschäftigt sich mit den Menschen und ihren Geschichten, so der Chefarzt des heutigen Fachkrankenhauses Dr. Grampp.

Diese Gedenksteine werden provozieren, so Dr. Grampp, aber das ist vielleicht auch gut so. Sie werden uns daran erinnern, wie wichtig es ist, auf der Grundlage unseres historischen Wissens Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. Wir müssen Entscheidungen treffen, die wir verantworten können, und die Stolperschwellen werden uns dabei helfen, diese "Verantwortungsschwelle" zu erkennen.

 

Die Verlegung der Stolperschwellen sei ein Zeichen gegen das Vergessen, betonte die Schulleiterin des Thomas-Mann-Gymnasiums. Es ist eine notwendige Erinnerung an die, die gelitten haben und eine Mahnung, dass wir uns auch heute mit den dunklen Kapiteln unserer Geschichte auseinandersetzen müssen.

 

 

Aus der Pressemitteilung des Erich-Zeigner-Haus e.V.:
Mit Beginn der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden in der Landesanstalt Hubertusburg regelmäßig Menschen zwangssterilisiert. Zudem gab es finanzielle Kürzungen, was eine angemessene Betreuung und Pflege unmöglich machte und eine ausreichende Ernährung nicht gewährleistet werden konnte. Durch diese mangelnde Versorgung starben mindestens 835 Menschen. 1940 wurden mindestens 1.706 Menschen in andere Anstalten wie u.a. Waldheim und Großschweidnitz “verlegt”. Diese fungierten häufig als Zwischenstationen für die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein und Brandenburg/Havel, in der letztendlich hunderte Patientinnen und Patienten der Heil- und Pflegeanstalt Hubertusburg ermordet wurden. Das Vorgehen des NS-Regimes ist auf die 1939 beschlossene „Aktion-T4“ zurückzuführen, welche die „Tötung lebensunwerten Lebens“ vorsah.

 

Es ist unsere Pflicht, an sie zu erinnern und dafür zu sorgen, dass sich solche Gräueltaten nie wiederholen. Die Verlegung der Stolperschwellen und -steine ist ein erster Schritt auf diesem Weg, ein Zeichen der Erinnerung und des Gedenkens. Mögen sie uns alle daran erinnern, dass wir gemeinsam die Welt verändern können und dass wir derer gedenken müssen, die dafür ihr Leben gegeben haben.

 

Denn nur so können wir wirklich in den Gesang des Chores vor Ort einstimmen und sagen: Dona Nobis Pacem. Gib uns Frieden.