Geschichte passiert nicht nur in großen Städten oder an bekannten Erinnerungsorten. Sie hat auch direkt vor unserer Haustür stattgefunden. Oft wissen wir erstaunlich wenig darüber, welche Schicksale sich in unseren Gemeinden abgespielt haben und welche Menschen während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurden.
Das Projekt „Spuren der Verfolgung“ des Erich Zeigner Haus e. V. möchte genau diese Geschichten sichtbar machen.
Gemeinsam mit Jugendlichen werden Biografien von Menschen recherchiert, die in Nordsachsen Opfer nationalsozialistischer Verfolgung wurden. Dabei geht es nicht nur um historische Fakten. Die Jugendlichen begeben sich auf Spurensuche, beschäftigen sich mit einzelnen Lebensgeschichten und setzen sich mit der Frage auseinander, was Ausgrenzung, Verfolgung und Menschenfeindlichkeit für die Betroffenen bedeutet haben.
Besonders spannend ist dabei, dass die jungen Menschen nicht nur zuhören oder lernen. Sie gestalten das Projekt aktiv mit. Sie recherchieren selbst, entwickeln Materialien für die Öffentlichkeit und begleiten den Weg hin zu einem Stolperstein, der künftig an ein konkretes Schicksal erinnern soll.
Ergänzt wird das Projekt durch Exkursionen zu historischen Lernorten, Workshops an Schulen sowie eine Wanderausstellung zur Zwangsarbeit in der Region. So entsteht ein lebendiger Zugang zur Geschichte, der weit über das Lesen eines Schulbuches hinausgeht.
Gerade in Zeiten, in denen demokratische Werte und Menschenrechte immer wieder infrage gestellt werden, ist die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit von besonderer Bedeutung. Erinnerungskultur bedeutet nicht nur zurückzublicken. Sie hilft uns auch dabei zu verstehen, welche Verantwortung wir heute tragen.
„Spuren der Verfolgung“ macht Geschichte sichtbar, gibt den Opfern ihre Namen zurück und schafft Räume für Lernen, Austausch und Verantwortung. Damit leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag für eine demokratische und menschenwürdige Gesellschaft in Nordsachsen.

