Manchmal entsteht Demokratie genau da, wo Menschen sich wirklich zuhören.
Ich war heute bei der Veranstaltung „Reden und Zuhören – Taucha miteinander im Gespräch“ in Taucha. Das Format wurde von mehr Demokratie e. V. entwickelt und fand dort nun schon zum dritten Mal statt mit Unterstützung aus dem Kleinprojektefonds.
Das Prinzip klingt zunächst einfach: Man bekommt ein Thema – in diesem Fall Meinungsfreiheit und Propaganda – und redet vier Minuten lang darüber, in Ich-Form. Die anderen hören einfach nur zu. Keine Nachfragen, keine Kommentare, kein Dazwischenreden. Danach wird gewechselt.
Wir saßen zu viert in einer kleinen Gruppe – und schon in der ersten Runde merkte ich, wie herausfordernd es ist, einfach nur zuzuhören, besonders wenn jemand eine Meinung äußert, die so gar nicht der eigenen entspricht. Ich wollte reagieren, widersprechen, argumentieren – und musste trotzdem still bleiben. Eine echte Übung im Aushalten und im Respekt.
Nach den Gesprächsrunden kam ich noch mit einer anderen Person aus dem Raum ins Gespräch, deutlich älter als ich. Und da geschah etwas, das mich wirklich berührt hat: Wir stellten fest, dass wir trotz unterschiedlicher Perspektiven erstaunlich ähnliche Gedanken hatten. Ich musste über mich selbst schmunzeln, weil ich vorher wohl ein kleines Vorurteil im Kopf hatte – und merkte, wie schnell solche Schubladen sich öffnen und schließen können, wenn man sich wirklich begegnet.
Diese Mischung aus Herausforderung, Humor und Erkenntnis hat mich sehr bewegt.
Solche Formate zeigen, was demokratische Kultur im Alltag bedeutet: sich einlassen, zuhören, Widerspruch aushalten – und manchmal überrascht werden, wie nah man sich trotz aller Unterschiede sein
kann.
Ich hoffe sehr, dass „Reden und Zuhören“ auch künftig in Taucha stattfindet. Denn solche Abende machen erlebbar, was Demokratie ausmacht: Reden. Zuhören. Aushalten. Und vielleicht am Ende ein Stück mehr Verständnis füreinander.
Ort: Taucha
Fördertopf: Kleinprojektefonds
