Wie kann Erinnerungsarbeit heute gestaltet werden, damit sie Menschen erreicht, Fragen auslöst und den Bezug zur Gegenwart öffnet?
Das Projekt „8. Mai – Gedenken an den Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus“ verband verschiedene Zugänge miteinander: eine Ausstellung, einen Film, einen fachlichen Vortrag und Gespräche über regionale Geschichte. So wurde der 8. Mai nicht nur als historischer Gedenktag aufgegriffen, sondern als Anlass genutzt, Menschen vor Ort miteinander ins Nachdenken und ins Gespräch zu bringen.
Vom 23. April bis 21. Mai wurde die Ausstellung „Resistance through their eyes“ gezeigt. Sie erzählte von jungen Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus Widerstand geleistet haben. Damit rückte das Projekt eine Perspektive in den Mittelpunkt, die besonders nahbar ist: Junge Menschen waren nicht nur Betroffene oder Zuschauer*innen der Geschichte. Einige von ihnen widersetzten sich, halfen anderen und trafen mutige Entscheidungen unter gefährlichen Bedingungen.
Film, Fragen und regionale Geschichte
Ein weiterer Baustein des Projekts war eine Veranstaltung im Kino. Gezeigt wurde der Film „Das kostbarste aller Güter“. Der Film bildete die Grundlage für Fragen, Austausch und die weitere historische Einordnung.
Begleitend referierte Prof. Mechthild Noll-Minor über den historisch belegten gestrandeten Häftlingstransport bei Tröbitz. Dadurch wurde die Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus, Verfolgung und Befreiung nicht nur allgemein betrachtet, sondern mit regionaler Geschichte verbunden. Genau darin lag eine besondere Stärke des Projekts: Erinnerung bekam einen Bezug zum eigenen Umfeld.
Der geplante Austausch entwickelte sich anders als ursprünglich gedacht. Der Vortrag war so inhaltsreich und anschaulich, dass viele Fragen direkt im Anschluss entstanden und die Gespräche ihren Raum brauchten. Auch das gehört zu guter Projektpraxis: Ein Format darf auf das reagieren, was bei den Teilnehmenden tatsächlich entsteht.
Erinnerungsarbeit kann weitere Projekte anstoßen
Das Projekt zeigte, wie kulturelle Formate demokratische Bildungsarbeit stärken können. Ausstellung und Film ermöglichten einen Zugang, der nicht nur informiert, sondern auch berührt. Der regionale Vortrag half dabei, historische Ereignisse einzuordnen und mit dem eigenen Sozialraum zu verbinden.
Gleichzeitig entstanden weitere Anknüpfungspunkte für zivilgesellschaftliches Engagement. Aktive aus dem Demokratischen Tresen verständigten sich darauf, demokratische Themen auch in anderen Gruppen weiterzuführen, unter anderem in einer Kinogruppe. Dort wurden weitere Filmideen und Ausstellungsvorschläge für kommende Formate eingebracht.
Damit wurde aus einem Gedenkprojekt mehr als eine einzelne Veranstaltung. Es entstand ein Impuls für weitere Kultur- und Bildungsangebote, die sich mit Demokratie, Geschichte und gesellschaftlicher Verantwortung beschäftigen.
Genau solche Projekte möchte die Partnerschaft für Demokratie Nordsachsen ermöglichen: Vorhaben, die lokale Erinnerung, Kultur und demokratische Bildung miteinander verbinden. Wichtig ist, dass sie Räume öffnen: für Wissen, Austausch, Sensibilisierung und die Frage, was Menschenwürde, Zivilcourage und Demokratie heute bedeuten.
So gestalten wir Demokratie: durch Erinnern, durch Austausch und durch Projekte, die Geschichte vor Ort sichtbar machen und Menschen zum Weiterdenken einladen.
Ort: Torgau
Fördertopf: Kleinprojektefonds
