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Veranstaltungen  ·  08. Juni 2026

Demokratiekonferenz PfD Nordsachsen 2026

Junge Stimmen, weite Wege, echte Beteiligung

Demokratie lebt nicht nur von Wahlen, Sitzungen und Beschlüssen. Sie lebt davon, dass Menschen miteinander ins Gespräch kommen, Erfahrungen teilen, unterschiedliche Perspektiven aushalten und gemeinsam überlegen, wie das Zusammenleben vor Ort gestaltet werden kann. Genau dafür ist unsere Demokratiekonferenz da.

Die Demokratiekonferenz der Partnerschaft für Demokratie Nordsachsen ist ein Ort des Austauschs, der Vernetzung und der gemeinsamen Weiterentwicklung. Menschen aus Vereinen, Initiativen, Jugendgruppen, Verwaltung, Bildung, Kultur, Sozialarbeit und Zivilgesellschaft kommen zusammen, um miteinander auf das zu schauen, was Nordsachsen bewegt. Es geht um Herausforderungen, aber genauso um Ressourcen, Ideen und konkrete Möglichkeiten, Demokratie vor Ort zu stärken.

In diesem Jahr möchten wir dabei besonders den Blick auf junge Menschen richten. Denn Jugendbeteiligung ist kein Zusatzthema, das man „auch noch“ mitdenken kann. Sie ist ein zentraler Bestandteil demokratischer Kultur.

 

Jugendbeteiligung heißt: junge Menschen gestalten ihr Lebensumfeld mit

Wenn über Jugendbeteiligung gesprochen wird, klingt das oft zunächst sehr grundsätzlich: Jugendliche sollen mitreden, mitentscheiden und gehört werden. In der Praxis stellt sich aber schnell die Frage: Wo genau passiert das? Wer lädt ein? Wer hört zu? Und was verändert sich danach wirklich?

Gerade in ländlichen Räumen ist Jugendbeteiligung mit besonderen Bedingungen verbunden. Der Landkreis Nordsachsen ist groß, vielfältig und regional sehr unterschiedlich geprägt. Junge Menschen wachsen hier nicht alle unter denselben Voraussetzungen auf. Manche haben gute Anbindungen, aktive Jugendclubs, engagierte Vereine oder Ansprechpersonen vor Ort. Andere erleben eher weite Wege, wenig Angebote oder das Gefühl, dass Entscheidungen an anderen Orten getroffen werden.

Aus meiner eigenen Auseinandersetzung mit Jugendbeteiligung in Nordsachsen nehme ich vor allem eine Erkenntnis mit: Beteiligung funktioniert nicht allein dadurch, dass Jugendliche gefragt werden. Sie braucht erreichbare Räume, verlässliche Beziehungen und echte Entscheidungsmöglichkeiten. Junge Menschen müssen erleben können, dass ihre Perspektiven ernst genommen werden und dass aus ihren Ideen etwas entstehen kann.

Denn Jugendbeteiligung ist mehr als politische Bildung und mehr als ein formelles Beteiligungsformat. Sie kann dazu beitragen, dass junge Menschen sich mit ihrem Ort verbunden fühlen. Studien (z.B.: Günther 2019; Olk und Roth 2007; Wendt 2018) zeigen, dass gelingende Jugendbeteiligung nicht nur politische Bildung fördert, sondern auch zur Identifikation junger Menschen mit ihrem Lebensraum beitragen und langfristig der Landflucht entgegenwirken kann.

Wenn Jugendliche merken, dass sie ihr Umfeld mitgestalten können, wird Demokratie konkret: im Jugendclub, im Dorf, in der Schule, im Verein, auf dem Sportplatz oder bei selbst entwickelten Projekten.

 

Beteiligung ist mehr als ein politisches Format

Wenn wir über Jugendbeteiligung sprechen, denken viele zuerst an formelle politische Beteiligung: an Jugendparlamente, Wahlen, Ausschüsse oder Beteiligungsverfahren in Städten und Gemeinden. Diese Formen sind wichtig, weil sie jungen Menschen direkte Zugänge zu politischen Entscheidungen eröffnen können.

Politische Beteiligung meint dabei die direkte Teilnahme junger Menschen an politischen Prozessen und Entscheidungen. Dazu gehören beispielsweise Wahlen, Mitgliedschaften in politischen Organisationen, die Übernahme politischer Ämter oder die Teilnahme an Jugendbeteiligungsprozessen auf lokaler, regionaler oder nationaler Ebene. Ziel ist es, junge Menschen als aktive Teilnehmer*innen demokratischer Prozesse zu stärken und ihre Stimmen innerhalb politischer Strukturen zu verankern (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2019: 43).

Gleichzeitig zeigt sich gerade in ländlichen Räumen: Beteiligung beginnt oft viel früher und manchmal an ganz anderen Orten. Wenn Jugendliche einen Jugendclub mitgestalten, ein eigenes Projekt auf die Beine stellen, eine Veranstaltung organisieren, im Verein Verantwortung übernehmen oder gemeinsam überlegen, was in ihrem Ort fehlt, dann ist auch das demokratisch bedeutsam.

Gesellschaftliches Engagement junger Menschen umfasst freiwilliges und ehrenamtliches Engagement in sozialen, kulturellen oder gemeinnützigen Organisationen und Projekten. Dazu zählen zum Beispiel Jugendverbände, Sportvereine, Schulen, Hochschulen oder eigenständige Aktivitäten, die Gemeinschaft stärken und gesellschaftliche Herausforderungen bearbeiten. Solches Engagement fördert sozialen Zusammenhalt, Gemeinsinn und konkrete Veränderungen im Alltag (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2019: 44).

Politische Beteiligung und gesellschaftliches Engagement gehören deshalb eng zusammen. Wer erlebt, dass die eigene Idee im Dorf, im Jugendhaus oder im Projekt ernst genommen wird, entwickelt eher Vertrauen darin, dass Mitgestaltung möglich ist. Genau solche Erfahrungen können der Ausgangspunkt für weiteres Engagement sein.

 

Nicht jede Beteiligung ist echte Beteiligung

Wichtig ist dabei: Beteiligung darf nicht nur symbolisch sein. Es reicht nicht, junge Menschen einzuladen, ihnen zuzuhören und am Ende doch alles wie vorher zu entscheiden.

In der Beteiligungsforschung wird deshalb zwischen unterschiedlichen Stufen von Partizipation unterschieden. Modelle wie das Stufenmodell nach Scherr und Sachs machen sichtbar, dass nicht jede Form des „Mitmachens“ automatisch echte Mitbestimmung bedeutet. Auf unteren Stufen stehen Formen wie fremdbestimmte oder dekorative Beteiligung sowie Alibi-Teilnahme. Dabei werden Kinder und Jugendliche zwar einbezogen oder nach ihrer Meinung gefragt, haben aber kaum oder gar keinen Einfluss auf Ziele, Inhalte oder Entscheidungen (Scherr und Sachs 2015: 43).

Echte Beteiligung beginnt dort, wo junge Menschen tatsächlich mitwirken und mitbestimmen können. Noch stärker wird Beteiligung, wenn Jugendliche über Angebote, Regeln und Ziele mitentscheiden oder Projekte selbstorganisiert umsetzen. Dann geht es nicht nur darum, eine Meinung abzugeben, sondern Verantwortung zu übernehmen und demokratische Aushandlung praktisch zu erleben.

Deshalb braucht Jugendbeteiligung mehr als eine offene Tür. Sie braucht echte Spielräume. Sie wird erst dann glaubwürdig, wenn junge Menschen auch dort mitreden können, wo Entscheidungen tatsächlich getroffen werden. So kann vermieden werden, dass Beteiligung zur bloßen „Schönwetter-Beteiligung“ wird (Gernbauer 2008: 17).

 

Warum das für ländliche Räume besonders wichtig ist

In ländlichen Regionen stellt sich Beteiligung oft anders dar als in größeren Städten. Angebote sind nicht immer zentral erreichbar, Wege sind länger und Zuständigkeiten manchmal weniger sichtbar. Auch die Frage, wer Jugendliche erreicht, ist entscheidend. Nicht jede Beteiligungsform passt zu jedem Ort. Ein Jugendparlament kann an einer Stelle gut funktionieren, während anderswo eher projektbezogene Formate, Jugendfonds, mobile Jugendarbeit oder offene Beteiligungswerkstätten sinnvoll sind.

Deshalb braucht Jugendbeteiligung in einem Flächenlandkreis wie Nordsachsen flexible und niedrigschwellige Wege. Es reicht nicht, ein Beteiligungsangebot zu schaffen und darauf zu warten, dass junge Menschen von selbst kommen. Beteiligung muss dorthin gehen, wo Jugendliche sind. Sie muss verständlich sein, unkompliziert starten können und an konkrete Themen anknüpfen: Was fehlt vor Ort, Was nervt, Was soll bleiben, Was wollen Jugendliche selbst ausprobieren?

Dabei geht es nicht darum, jungen Menschen fertige Lösungen vorzusetzen. Es geht darum, Räume zu schaffen, in denen sie eigene Ideen entwickeln, diskutieren, Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen können. Erwachsene, Fachkräfte, Verwaltung und Politik haben dabei eine wichtige Rolle: Sie können Türen öffnen, Ressourcen bereitstellen, Prozesse begleiten und Macht teilen.

 

Die Demokratiekonferenz als gemeinsamer Denkraum

Die Demokratiekonferenz bietet die Möglichkeit, diese Fragen gemeinsam zu bewegen. Wie kann Beteiligung in Nordsachsen so gestaltet werden, dass sie nicht nur gut gemeint ist, sondern tatsächlich bei Jugendlichen ankommt? Welche Strukturen brauchen junge Menschen, um sich einzubringen? Welche Erfahrungen gibt es bereits? Und was können wir voneinander lernen?

Dabei wollen wir nicht nur über Jugendliche sprechen, sondern ihre Perspektiven ernst nehmen und sichtbar machen. Denn wer Jugendbeteiligung stärken will, muss junge Menschen als Expert*innen ihrer eigenen Lebenswelt anerkennen.

Gleichzeitig richtet sich die Konferenz an alle, die Demokratie vor Ort mitgestalten: an Vereine, Initiativen, Fachkräfte, Ehrenamtliche, kommunale Akteur*innen und interessierte Bürger*innen. Denn Jugendbeteiligung gelingt nicht isoliert. Sie braucht ein Netzwerk aus Menschen, die bereit sind zuzuhören, auszuprobieren und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.

Die Demokratiekonferenz soll deshalb auch ein Ort sein, an dem wir gemeinsam genauer hinschauen: Wo ermöglichen wir jungen Menschen bereits echte Mitgestaltung? Wo fragen wir ihre Meinung ab, ohne ihnen ausreichende Entscheidungsspielräume zu geben? Und was braucht es, damit aus punktueller Beteiligung dauerhafte demokratische Erfahrung wird?

 

Demokratie beginnt vor Ort

Die Partnerschaft für Demokratie Nordsachsen setzt sich dafür ein, demokratische Beteiligung im Landkreis zu stärken, Begegnung zu ermöglichen und Menschen zu ermutigen, sich einzubringen. Mit Fördermöglichkeiten wie dem Jugendfonds, mit Projektberatung, Vernetzung und Veranstaltungen wie der Demokratiekonferenz entstehen Räume, in denen Ideen wachsen können.

Die Demokratiekonferenz ist deshalb mehr als ein Termin im Kalender. Sie ist eine Einladung, gemeinsam auf Nordsachsen zu schauen: auf das, was schon da ist, auf das, was fehlt, und auf das, was möglich wird, wenn Menschen miteinander ins Gespräch kommen.

Denn Demokratie braucht Orte, an denen Menschen zusammenkommen. Und sie braucht junge Menschen, die erleben: Meine Meinung zählt. Meine Idee kann etwas verändern. Ich bin Teil dieses Ortes.

 

Für eine lebendige Demokratie ist entscheidend, dass junge Menschen nicht nur über Demokratie sprechen, sondern sie erleben: beim Diskutieren, Entscheiden, Ausprobieren, Scheitern, Weitermachen und gemeinsamen Gestalten.


Quellen:

 

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. 2019. In gemeinsamer Verantwortung: Politik für, mit und von Jugend.: Die Jugendstrategie der Bundesregierung. Berlin.

Fatke, Reinhard. 2007. Kinder und Jugenpartizipation im wissenschaftlichen Diskurs. In Kinder- und Jugendbeteiligung in Deutschland. Entwicklungsstand und Handlungsansätze, Hrsg. Bertelsmann Stiftung, 19–38. Gütersloh: Verlag Bertelsmann Stiftung

Gernbauer, Karolina. 2008. Beteiligung von Jugendlichen als politische Herausforderung. In Jugendliche planen und gestalten Lebenswelten. Partizipation als Antwort auf den gesellschaftlichen Wandel, Hrsg. Thomas Ködelpeter und Ulrich Nitschke, 17–22. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften / GWV Fachverlage, Wiesbaden.

Günther, Lilly. 2019. Beteiligung ist die beste Medizin: Dokumentation Praxisforum Stark im Land. am 08. Mai 2019 auf dem Rittergut Limbach in Wilsdruff.

Olk, Thomas und Roland Roth. 2007. Zum Nutzen der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. In Kinder- und Jugendbeteiligung in Deutschland. Entwicklungsstand und Handlungsansätze, Hrsg. Bertelsmann Stiftung, 39–57. Gütersloh: Verlag Bertelsmann Stiftung.

Scherr, Albert und Lena Sachs. 2015. Partizipation: Beteiligung und Teilhabe von Kindern und Jugendlichen in Baden-Württemberg: Überblick über Angebotsformen, Akteure, Projekte und Themen. Stutgart: Ministerium für Arbeit und Sozialordnung Familie Frauen und Senioren Baden-Württemberg.

Wendt, Peter-Ulrich. 2018. "In der Politik ist das jetzt angekommen!". deutsche jugend 66 (3), 111–121. 

 

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Koordinierungs- und Fachstelle (KuF) der Partnerschaft für Demokratie in Nordsachsen:

Diakonisches Werk Delitzsch/ Eilenburg. e.V.

KuF PfD Nordsachsen

Nikolaiplatz 4

04838 Eilenburg

[email protected]

Annegret Janssen:

+49 (0) 173 5390195

Vertretung Janet Liebich:

+49 (0) 1511 1325231

Federführendes Amt

LANDRATSAMT NORDSACHSEN

Fachstelle für Demokratie und Vielfalt

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04855 Torgau

[email protected]

 

Tel: +49 (3421) 758 - 6170

 


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