Mutige Erinnerungen: Frauen erzählen von Widerstand und Selbstbestimmung
Am vergangenen Wochenende füllte sich das Kap Torgau mit einer besonderen Mischung aus Spannung, Respekt und leiser Vorfreude: „Tanz auf dem Vulkan –
widerständige Punk-Frauen in der DDR“ machte in Nordsachsen Station.
Schon nach den ersten Minuten war spürbar, dass dieser Abend mehr war als eine Lesung – er war ein Raum für Mut, Verletzlichkeit und weibliche Selbstbehauptung.
Organisiert wurde die Veranstaltung von Gleichlaufschwankung e.V., die seit Jahren daran arbeiten, die Stimmen widerständiger Frauen sichtbarer
zu machen. Aufgrund der hohen Nachfrage wurde die Lesung aus dem ursprünglich geplanten Jugendwerkhof in das Kap Torgau verlegt.
Bereits im Foyer eröffnete eine Fotoausstellung Einblicke in die Lebenswege der Frauen, die später auf der Bühne standen.
Auf der Leinwand erschienen Originalfotos aus Jugendtagen: ernste Blicke, grelle Haarfarben, enge Clubs, improvisierte Proberäume – Momentaufnahmen aus einer Zeit, in der Nonkonformität nicht nur
ein Stil, sondern ein Risiko war.
Nacheinander lasen die Frauen Passagen aus dem neuen Buch. Manche Geschichten brachten das Publikum zum Lachen, andere ließen den Raum still werden. Besonders bewegend waren die Erzählungen, die
von Repression, Gewalt und Angst handelten – gerade im Zusammenhang mit Erfahrungen im Jugendwerkhof Torgau. Die Gefährlichkeit, in der die Frauen damals lebten, war in diesen Momenten für alle
im Raum greifbar.
Dann folgte ein besonderer Moment des Abends: Die Sängerin der legendären Punkband Hansaplast trat selbst auf.
Für die Frauen auf der Bühne war das ein Akt der tiefen Wertschätzung – ihre Gesichter hellten sich auf, manche wirkten plötzlich wieder wie die jungen Mädchen von damals. In ihren gelesenen
Texten hatten sie bereits erzählt, wie sehr Hansaplast sie geprägt, bestärkt und ihnen Mut gegeben hatte.
Ihre Idolin nun live auf der Bühne zu sehen, war für viele sichtbar ein Kreis, der sich schloss.
Musikalisch ergänzt wurde der Abend anschließend von Alena, einer jungen Musikerin, die Punklieder widerständiger Frauen neu interpretierte. Sie erzählte später, wie aufregend und gleichzeitig
stärkend es gewesen sei, diese Songs in Anwesenheit jener Frauen zu spielen, die sie einst so sehr verehrt hatten.
So trafen an diesem Abend mehrere Generationen von feministischer Punkgeschichte aufeinander – verbunden durch Musik, Erinnerung und gegenseitiges Empowerment.
Zwischen den Sitzreihen wurden Taschentücher weitergereicht. Es wurde geweint, gelächelt, tief geatmet, und immer wieder entstand das Gefühl gemeinsamer Resonanz.
Obwohl die Frauen einzeln lasen, formte sich ein kollektives Bild: eines von Widerstand, Selbstbestimmung und dem festen Willen, sich nicht anpassen zu lassen.
Solche Abende zeigen, wie kraftvoll es ist, Frauen zuzuhören, die ihre Geschichte selbst erzählen – und wie wichtig diese Perspektiven für unsere demokratische Erinnerungskultur
sind.
Ihre Stimmen erinnern daran, dass Freiheit keine Selbstverständlichkeit ist. Und dass Mut, wenn man ihn teilt, weiter trägt als jede Einzelne für sich.
Ein Abend der lange nachhallt, gefördert vom Einzelprojektefonds der PfD Nordsachsen.





