Wie kann man Erinnerung lebendig halten?
Und was bedeutet es, wenn Jugendliche selbst Geschichte erforschen, um daraus Verantwortung für die Gegenwart zu übernehmen?
Mit dem Projekt „Erinnerung sichtbar machen“ zeigt der Erich-Zeigner-Haus e. V. gemeinsam mit Partnern
aus dem Landkreis Nordsachsen, wie historisch-politische Bildung wirkt – tiefgehend, lokal und nachhaltig.
Jugendliche forschen für das Gedenken
In einem mehrmonatigen Projekt erarbeiten Schülerinnen und Schüler des Christian-Gottfried-Ehrenberg-Gymnasiums in Delitzsch die Biografien von Menschen, die während der NS-Zeit verfolgt
wurden.
Unter Anleitung des Erich-Zeigner-Hauses tauchen sie in historische Dokumente ein, recherchieren in Archiven und lernen, wie lokale Geschichte konkret erfahrbar wird.
Am Ende steht nicht nur Wissen – sondern auch ein sichtbares Zeichen:
Im Jahr 2026 sollen auf Grundlage dieser Recherchen neue Stolpersteine in Delitzsch verlegt werden.
Die Jugendlichen übernehmen dabei selbst Verantwortung: Sie erstellen Informationsflyer, sammeln Spenden, stimmen sich mit Verwaltung und Öffentlichkeit ab und gestalten das Rahmenprogramm der
Verlegung.
Damit knüpfen sie an die erfolgreichen Stolpersteinverlegungen in Oschatz und Wermsdorf (2024) an – beides Projekte, die gezeigt haben, wie sehr lokale Erinnerungskultur Menschen zusammenbringen kann.
Multiplikatorenprojekt – Wissen weitergeben
Parallel zum Jugendprojekt läuft eine Seminarreihe für Multiplikator:innen.
In vier Kommunen – Oschatz, Bad Düben, Dommitzsch und Delitzsch – lernen Lehrkräfte, Fachkräfte der Jugendarbeit und engagierte Bürger:innen die vom Erich-Zeigner-Haus entwickelte, von der
Universität Bielefeld evaluierte Methodik kennen.
Diese Methodik befähigt sie, künftig selbst erinnerungskulturelle Projekte zu initiieren – etwa eigene Stolpersteinvorhaben oder biografische Jugendprojekte in ihren Gemeinden.
Die kostenfreie Weiterbildung, die in Kooperation mit dem Netzwerk Weltoffenes Nordsachsen durchgeführt wird, vermittelt praxisnah, wie lokale Geschichte erforscht, dokumentiert und in
Bildungsarbeit umgesetzt werden kann.
Von der Archivarbeit über Zeitzeugengespräche bis zur öffentlichen Präsentation – alles, was nötig ist, um Erinnerung sichtbar zu machen.
Langfristige Wirkung – Erinnerung als demokratische Haltung
Das Projekt fördert historisches Bewusstsein und stärkt demokratische Werte, indem es lokale Geschichte erlebbar macht.
Es zeigt: Erinnerungskultur ist keine Pflichtübung, sondern ein lebendiger Teil von Demokratie – getragen von Menschen, die sich engagieren.
Wenn Jugendliche Stolpersteine verlegen, wenn Lehrkräfte und Ehrenamtliche historische Verantwortung übernehmen, dann entsteht ein Dialog über Vergangenheit und Gegenwart:
über Ausgrenzung, Haltung und die Bedeutung von Zivilcourage heute.
„Erinnerung sichtbar machen“ ist damit mehr als Bildung – es ist gelebte Demokratiearbeit vor Ort.
Ort: Landkreis Nordsachsen (Delitzsch, Bad Düben, Oschatz, Dommitzsch)
Fördertopf: Einzelprojektefonds
